Historie

Izaak Enschedé und dessen Sohn Johannes gründen im Jahre 1703 in der Innenstadt von Haarlem ihre Druckerei und Schriftgießerei. Der Betrieb, der später unter dem Namen Koninklijke Joh. Enschedé firmierte, bleibt dort bis 1992, danach folgte der Umzug in den Haarlemer Waarderpolder. Nach drei Jahrhunderten Wachstum umfasst der Enschedé-Komplex in den Gebäuden am Klokhuisplein, de Damstraat und Nauwe Appelaarsteeg heute insgesamt etwa 26.000 Quadratmeter.
Nach der Gründung der Druckerei erwarb sich Enschedé schon bald großen internationalen Ruhm, da in ihr unter anderem Glaubenstexte in vielen Sprachen und Zeichen gedruckt werden: die Bibel, der Talmud, der Koran und Gesangbücher. Auch die "Oprechte Haarlemsche Courant', eine der ältesten Tageszeitungen der Welt, wurde von 1737 bis 1940 bei Joh. Enschedé gedruckt.

Die Firma beschäftigte sich nicht nur mit dem Drucken, sondern auch mit dem Schriftgießen. Bleierne Schriftzeichen wurden in eisernen Matrizen gegossen und diese auf den Pressen zahlreicher Drucker installiert. Matrizen waren sehr schwer zu fertigen und daher sehr wertvoll. Durch Kauf von zahlreichen anderen Schriftgießereien baute Joh. Enschedé schließlich eine riesige Sammlung an Stempeln und Matrizen auf. Die große Auswahl an verschiedenen Lettern, Stempeln und Zeichen ermöglichte es, die Publikationen sehr filigran und komplex zu gestalten.

Während des 19. Jahrhunderts wächst die Identität als ‘spezieller Drucker’ immer weiter. Es werden Durchbrüche in Bezug auf die japanische und javanische Schrift erreicht. Dies führt dazu, dass im Jahre 1810 die ersten Bankscheine für Ost- und Westindien von der Presse rollen.
Kurze Zeit später, in 1814, druckt Joh. Enschedé auch die Bankscheine für die neue niederländische Bank und im Jahre 1866 erwirbt sich die Firma den Auftrag für das Drucken von Briefmarken für die niederländische Post. Ab 1870 werden auch Briefmarken für das Ausland, z.B. Luxemburg. Persien und Transvaal gedruckt.

Im 20. Jahrhundert führt Joh. Enschedé die Tradition vom Letterentwurf weiter und gewinnt internationale Preise mit z.B. der neuen Letter Lutetia (Jan van Krimpen, 1925). Die Firma investiert groβzügig in der Ausdehnung der internationalen Aktivitäten und druckt am Ende des Jahrhunderts die Briefmarken für 65 Länder. Daneben behaltet Joh. Enschedé seine Position als Drucker von Papiergeld. Dabei werden immer höhere Anforderungen gestellt, nicht nur auf dem Gebiet der Ästhetik, sondern auch auf dem Gebiet der Sicherung. Die Firma bekommt den Auftrag für die weltweite Sicherung von Travellers Cheques und druckt zusammen mit der Staatsdruckerei die Personalausweise und Fahrscheine. Mittlerweile ist die digitale Technologie im Vormarsch und sammelt Joh. Enschedé auch in diesem Bereich mehrere Patente. Heutzutage druckt Joh. Enschedé die Euroscheine für fünf Länder, aber nicht länger aus dem Appelaar, wie das ehemalige Joh. Enschedé-Komplex genannt wird.